Weite Kreise unserer Gesellschaft gehen von der unabdingbaren Notwendigkeit
des Tierversuchs aus. Aber die Notwendigkeit des Tierversuchs basiert auf
Mythen, nicht auf Fakten. Die Mythen über den Tierversuch werden verbreitet,
müssen verbreitet werden,
weil sonst ein pseudowissenschaftliches System in
sich zusammenstürzen würde. Weil ohne diese Mythen rasch klar würde, dass der
Tierversuch der Menschheit nicht nur nicht hilft, sondern im Gegenteil
ungeheuren Schaden für Mensch und Tier anrichtet.
Ein Mythos hat keinen Urheber, es gibt niemanden, der diese Mythen erstmals
erzählt hat. Ein Mythos bildet sich, verdichtet sich und wird von allen geglaubt
und weitergetragen. Auch von uns, bewusst oder unbewusst. Natürlich gibt es
Kreise, die von diesen Mythen profitieren, die diese Mythologie zu untermauern
suchen, die uns am Durchschauen dieser nebulösen Märchen hindern wollen. Aber
niemand kann uns daran hindern, unseren Verstand zu gebrauchen und das
tierexperimentelle System zu entlarven als das, was es ist: als brutalen
Versuch, auf Kosten von empfindsamen Mit-Lebewesen Gesundheit zu produzieren und
zu verkaufen - für gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftliche Vorteile.
Der Mythos von der Notwendigkeit des Tierversuchs hat uns infiltriert wie eine
Gehirnwäsche, es bedarf erheblicher persönlicher und gesellschaftlicher
Anstrengungen, uns von diesem Mythos wieder freizumachen. Mythen lösen sich
wieder auf, und zurück bleibt nur die Frage, wie es jemals möglich sein konnte,
dass der Mythos geglaubt wurde. Der Mythos vom Tierversuch besteht aus einem
ganzen Netz von Mythen, die wir im folgenden betrachten werden.
1.
Mythos: Medizinisches Wissen basiert auf Tierversuchen
Wir müssen uns
hier zwei Fragen stellen: Was ist das überhaupt, medizinisches Wissen, und was
hat die Medizin eigentlich vor der Ära der exzessiven Tierversuchsforschung
gemacht? Ich glaube, medizinisches Wissen zerfällt in zwei Bereiche:
ganzheitliches Wissen und mechanistisch-materialistisches Wissen. Da ist einmal
das Wissen um die Grundfragen und Probleme menschlicher Existenz, hier geht es
um vorwiegend ganzheitliche Begriffe wie Gesundheit, Krankheit, Heilung, Leben,
Tod, Spannungen zwischen Körper, Seele und Geist, Geburt, Reifungsprozesse,
Altwerden, Krankfühlen, Selbstheilungskräfte usw. Von dieser Seite medizinischen
Wissens weiß die moderne Medizin nur mehr sehr wenig, oft gar nichts mehr. Vom
Begriff Heilen hat sie sich wie von einem irrationalen Verfahren verabschiedet
und überlässt ihn auch im Sprachgebrauch den Heilpraktikern. Stattdessen baut
die moderne Medizin auf Wissen, das einer naturwissenschaftlichen, genauer
gesagt, materialistisch-mechanistischen Sicht entstammt.
Der Organismus wird
im Sinne von Descartes als Räderwerk, Uhr oder biologische Maschine gesehen,
dessen Einzelteile reibungslos funktionieren müssen, damit der Gesamtmechanismus
nicht stehen bleibt. Defekte Teile oder Systeme werden repariert oder
ausgetauscht, sprich: chirurgisch behandelt oder transplantiert. Spezialisten
sind für die diversen Einzelbereiche zuständig. Die moderne biomedizinische
Forschung produziert entsprechend eine ungeheure Zahl meist zusammenhangsloser
Details in der Hoffnung, irgendwann werde sich schon ein Zusammenhang finden.
Aber die Übersicht ist verlorengegangen, jeder stochert in seinem speziellen
Fachbereich herum - ohne ganzheitliche Sicht. Verzweifelt wird nach Modellen für
das Funktionieren oder Nichtmehrfunktionieren des menschlichen Körpers gesucht,
vor allem, wenn es um psychische oder psychosomatische Probleme geht. Man
experimentiert mit den verschiedensten Tierarten, man produziert Defekte, die
ähnliche Symptome wie beim Menschen hervorrufen, aber der Kampf gegen die
heutigen Krankheiten erscheint zunehmend aussichtslos.
Medizin ist glücklicherweise mehr als nur tierexperimentelle Medizin, und
damit möchte ich auf die zweite Frage zurückkommen: Was hat die Medizin
eigentlich vor der Tierversuchsära gemacht? Der Begründer der klassischen
Medizin, Hippokrates, hat nie Tierversuche gemacht, und doch hob er die
ärztliche Kunst auf eine auch für heutige Verhältnisse revolutionäre Basis. Uns
wird immer wieder vorgegaukelt, die wahre medizinische Kunst hätte erst mit dem
Beginn der Chemotherapie vor rund hundert Jahren begonnen, aber das ist falsch:
Es gab zu allen Zeiten berühmte Akademien, auf denen die Heilkunst wirklich
erfahren werden konnte. Natürlich gab es zu allen Zeiten auch unfähige Ärzte und
Scharlatane, aber gibt es solche etwa heute nicht? Die Säulen des klassischen
medizinischen Wissens waren nicht Tierversuche, obwohl es diese in geringem
Umfang auch schon vor Jahrtausenden gab, sondern die Beobachtung von gesunden
und kranken Menschen und Tieren. Auch die als sehr erfolgreich bekannte
Erfahrungsheilkunde fremder Kulturen wie etwa der Chinesen oder der Indianer
Nord- und Südamerikas kennt den Tierversuch nicht. Aber selbst unser
neuzeitliches medizinisches Wissen beruht zu einem erheblichen Teil gar nicht
auf Tierversuchen oder wurde erst nachträglich an Tieren bestätigt. Medikamente
wie Acetylsalicylsäure gegen Fieber oder Phenobarbital als Schlafmittel bzw.
Epilepsiemittel, die Entdeckung des Vitamin C gegen Scorbut wurden ohne
Tierversuche entwickelt. Die meisten der heute üblichen Operationstechniken
wurden nicht im Tierversuch entwickelt. Der Mythos vom Tierversuch als Basis für
medizinisches Wissen löst sich bei genauerer Betrachtung in Luft
auf.
2. Mythos: Erst Tierversuche haben die Bekämpfung von Krankheiten
und damit die Erhöhung der Lebenserwartung ermöglicht.
Dieser Mythos
gehört zum Standard-Repertoire der Tierversuchsbefürworter. Er ist aber falsch!
Die Erhöhung der Lebenserwartung ist vor allem durch den Rückgang der
Infektionskrankheiten bedingt. Der angesehene britische Sozialmediziner Prof.
McKeown hat schon vor vielen Jahren durch umfangreiche Untersuchungen
nachgewiesen, dass der Rückgang der Infektionskrankheiten und damit der
Säuglings- und Kindersterblichkeit durch verbesserte sanitäre Einrichtungen und
Hygiene sowie bessere Ernährung und die einsetzende Beschränkung der
Geburtenzahl und nicht durch Medikamente und Impfungen bedingt ist. Entsprechend
ist auch die sehr hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit in der Dritten Welt
durch soziale Probleme, Armut, Unterernährung etc. und nicht durch einen Mangel
an Medikamenten oder fehlende Impfungen bedingt.
Wenn wir die heutigen Zivilisationskrankheiten betrachten - sie machen etwa
80% der Todesfälle aus -, so gewinnen wir den Eindruck, dass die moderne Medizin
bei ihrer Bekämpfung recht machtlos ist: 50% der deutschen Bevölkerung sterben
an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 25% an Krebs; allein die Zahl der Hautkrebsfälle
hat sich in 10 Jahren verdoppelt. Die moderne Chemotherapie hat diese
Krankheiten kaum beeinflussen können. Jahrzehnte nach Einführung des ersten
wirksamen Krebsmittels Cyclophosphamid sind nur wenige Prozent aller Krebsfälle
einigermaßen heilbar, und dies auch nur mit enormen Nebenwirkungen und Schäden.
Wenn in den USA die Zahl der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt,
so durch Beeinflussung der Rauchergewohnheiten, aber nicht durch die Einführung
neuer Medikamente. Die Verhältnisse bei Zytostatika und anderen Krebsmitteln
zeigen eine wichtige Tatsache: das Hochrechnen von medizinischen Anfangserfolgen
der Vergangenheit in die Zukunft ist Unsinn; erst die Erforschung der wahren
Ursachen unserer Massenkrankheiten kann diese beeinflussen. Auch der Mythos von
der Erhöhung der Lebenserwartung durch Tierversuche ist unhaltbar.
3.
Mythos: Medizinische Forschung ist ohne Tierversuche nicht
möglich.
Vor einigen Jahrzehnten gab es den Begriff der
Alternativmethoden noch überhaupt nicht, dachte noch niemand daran Tierversuche
auch nur zu reduzieren, geschweige denn abzuschaffen. Die Wissenschaftler
erklärten einstimmig, Tierversuche seien nun einmal nötig, weil nur das intakte
Tier die Wirkungen von Medikamenten zeigen könne. Inzwischen ist man
vorsichtiger geworden, die Industrie beeilt sich, pausenlos zu erklären, wie
viele Tiere sie schon ersetzt habe, wie sehr der Verbrauch schon zurückgegangen
sei. In vielen Bereichen wird mit Zellkulturen, Mikroorganismen etc., den so
genannten In-vitro-Systemen, gearbeitet. Diese im Reagenzglas ablaufenden
Verfahren übertreffen die Tierversuche in ihrer Aussagekraft bei weitem.
Diese Entwicklung zeigt, dass unter dem Druck der öffentlichen Meinung sehr
wohl ein Verzicht auf Tierversuche zu erreichen ist und weiter, dass sehr vieles
von dem, was kürzlich noch zum unverzichtbaren Bestandteil der modernen Medizin
erklärt wurde, offensichtlich doch in wenigen Jahren ersetzt werden konnte. Eine
Reihe von medizinischen Disziplinen arbeitet auch heute schon mit Erfolg ohne
jeden Tierversuch: Arbeits-, Sozial-, Vorsorgemedizin, Epidemiologie, klinische
Forschung, Psychotherapie, Rehabilitation und Naturheilkunde. ein typisches
Beispiel, was moderne Forschung ohne Tierversuche leisten kann, ist die
AIDS-Forschung (s.u.). Die wichtigsten Ergebnisse wurden ohne Tierversuche in
vitro - also mit Zellkulturen von menschlichen Blutzellen gefunden.
Und außerdem, die Tatsache, dass bestimmte Forschungsarbeiten in der
Vergangenheit an Tieren gemacht wurden, bedeutet nicht, dass man nicht auch ohne
Tierversuche zu vergleichbaren Ergebnissen kommen kann.
4. Mythos:
Tierversuche sind notwendig, weil die wichtigsten Krankheiten noch nicht heilbar
sind.
Gerade die Tatsache, dass die wichtigsten Krankheiten trotz
exzessiver tierexperimenteller Studien in den letzten Jahrzehnten effektiv nicht
beeinflussbar, geschweige denn heilbar geworden sind, zeigt, wie wenig
Tierversuche letztlich zur Beseitigung der menschlichen Krankheiten beitragen
können. Die logische Konsequenz aus dem Faktum, dass die wichtigsten Krankheiten
noch nicht heilbar sind, kann nicht ein weiterer Ausbau der tierexperimentellen
Methodik sein, sondern erhebliche Anstrengungen in Richtung einer Verhinderung,
Prophylaxe und Ursachenforschung unserer Krankheiten.
Es ist eindeutig belegt, dass wir die meisten Krankheiten selbst verursachen
durch falsche Ernährung, Suchtmittel, Stress etc. Umfangreiche Studien mit
Vegetariern haben längst belegt, dass eine gesündere Ernährungsweise das
Krebsrisiko reduziert, die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
senkt und die Lebenserwartung generell anhebt.
Es ist eben eine grundlegend
falsche Vorstellung, dass wir die Folgen unserer selbstmörderischen Lebensweise
beim Tier als Krankheit reproduzieren könnten, um sie dann mit chemischen
Mitteln wieder zu beseitigen. Mit Pharmaka können höchstens Symptome der
menschlichen Krankheiten beeinflusst werden. Die Nicht-Heilbarkeit der
wichtigsten Krankheiten spricht also keineswegs für Tierversuche.
5.
Mythos: Tierversuche sind zur Abwendung von neuen bedrohlichen Krankheiten
notwendig.
Dieser Mythos, der eigentlich nur nicht informierte Laien
beeindrucken kann, lässt zwei prinzipielle Gesichtspunkte außer acht. Der
Ursprung einer typischen neuen bedrohlichen Krankheit, nämlich AIDS, ist zwar
immer noch nicht ganz geklärt, aber es erscheint durchaus plausibel, dass er
überhaupt erst durch menschliches Experimentieren in Form von Gentechnologie,
Biotechnologie, Molekularbiologie oder tierexperimentelle Techniken entstanden
ist. Jedenfalls kann bislang kein Mensch den »Zufall« erklären, dass eine neue
Krankheit aus dem Nichts parallel mit der Entstehung der oben zitierten
Techniken entstanden ist.
Aber ein anderer Gesichtspunkt ist vielleicht noch bedeutsamer: Gerade die
AIDS-Forschung ist ein Musterbeispiel moderner Forschung, zu der Tierversuche
nichts beigetragen haben, wo man ohne Tierversuche in kurzer Zeit enorm weit
gekommen ist, zu Ergebnissen und Erkenntnissen, welche im Tierversuch absolut
nicht zu erhalten wären. Die bisherigen Fortschritte in der AIDS-Forschung
beruhen eben nicht auf Tierversuchen, sondern auf Seuchenlehre, klinischer
Beobachtung von Patienten und In-vitro-Studien mit Zellkulturen.
6.
Mythos: Erst durch Tierversuche lassen sich die Risiken von neuen Medikamenten,
Impfstoffen, Chemikalien abschätzen.
Dieser Mythos gehört zu den
Kern-Mythen der Tierversuchsideologie. Aber er ist falsch. Auch vor der Ära der
exzessiven Tierversuche wurden wichtige Medikamente gefunden. Warum hat es
eigentlich damals nie eine Katastrophe à la Thalidomid/Contergan gegeben? Hat
man einfach Glück gehabt? Ich glaube, hier spielen andere Faktoren eine wichtige
Rolle. Neue Substanzen wurden sehr vorsichtig von einzelnen Ärzten bei wenigen
Patienten angewandt. Man hatte eben genügend Zeit, da es keinen wirtschaftlichen
Druck gab, Forschungsinvestitionen in Milliardenhöhe vor Ablauf einer
Patentfrist wieder hereinzuholen.
Nur der wirtschaftliche Druck, eine neue Substanz so rasch wie möglich in
eine Goldgrube zu verwandeln, war die Ursache der Thalidomid-Tragödie und nicht
fehlende, falsche oder zu wenige Tierversuche, wie heute behauptet wird. Und
hier beisst sich die Katze in den Schwanz: Da die Neuentwicklung von
Medikamenten unter anderem aufgrund exzessiver Tierversuche so enorm teuer
geworden ist, müssen die Investitionen in kurzer Zeit wieder hereingeholt
werden, dass heißt, ein Medikament muss in kürzester Zeit von möglichst vielen
Patienten verwendet werden. Und damit steigt das Risiko, damit steigt die
Wahrscheinlichkeit von Pannen, und deshalb müssen noch mehr Tierversuche gemacht
werden. Nein, Tierversuche führen aus dieser Sackgasse nicht heraus.
Die Toxikologie, also die Giftigkeitslehre, ist der Bereich, in dem sich
Tierversuche auch nach offizieller wissenschaftlicher Meinung wohl am ehesten
ersetzen lassen. Im Bereich der akuten Giftigkeit gibt es zunehmend
aussagekräftige tierversuchsfreie Methoden. Der LD-50-Test, bei dem die Dosis
einer Substanz ermittelt wird, bei der die Hälfte der Tiere stirbt, ist auch
nach wissenschaftlicher Meinung ein grausames Ritual, ein Fossil, das mit
Wissenschaft nichts zu tun hat. Toxikologische Akut-Studien mit Tieren sind
sinnlose Ansätze, die nur globale Aussagen machen können, nämlich ob das
jeweilige Tier an der verabreichten Substanz bzw. Substanzmenge stirbt oder
nicht. Viel sinnvoller ist es - und das wird zunehmend auch gemacht, die
Beeinflussung von physiologischen Einzelschritten zu untersuchen. Und diese
Untersuchungen sind mit Mikroorganismen, Zell- oder Gewebekulturen möglich.
Die chronische Toxikologie, bei der verschiedenen Tieren größere Mengen der
Testsubstanz über einen längeren Zeitraum eingeflößt oder injiziert werden, ist
noch schwieriger auf den Menschen übertragbar als die akute Giftigkeitsprüfung.
Wir dürfen nicht vergessen: das letzte Risiko trägt immer der Mensch. Aber in
dem Maße, wie Tierversuche Sicherheit vorgaukeln, wird der Mensch zu einem
unvorsichtigen Umgang mit neuen Substanzen geradezu herausgefordert, und dadurch
steigt das Risiko.
7. Mythos: Tierversuche schaden der Menschheit
nicht.
Dieser Mythos gehört zu den gefährlichsten Irrtümern unserer
Zeit, denn Tierversuche schaden dem einzelnen Menschen genauso wie der ganzen
Menschheit. Tierversuche lassen Medikamente und neue Substanzen sicher
erscheinen, obwohl deren Sicherheit absolut nicht abschätzbar ist. Das bereits
erwähnte Contergan war nicht das erste und auch nicht das letzte Arzneimittel,
das wegen schwerster Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden musste.
Viele Nierenkranke, welche dialysiert werden müssen bzw. auf eine Spender-Niere
warten, haben sich mit Medikamenten ihre Nierenfunktion zerstört, mit
Medikamenten, welche aufgrund von Tierversuchen als sicher galten. Alle
Arzneimittel, welche auf Druck der Behörden von der Pharmaindustrie wieder vom
Markt genommen werden mussten, waren tierexperimentell geprüft.
Ein weiteres Beispiel: Das gefährliche Ozonloch über der Antarktis hat als
Ursache Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die aufgrund von chemischen, aber auch
tierexperimentellen Studien für sicher gehalten wurden. Die irrige Vorstellung
von der Machbarkeit der Sicherheit hat zu einer hemmungslosen Produktion und
Verbreitung dieser Substanzen geführt, die jetzt die Existenz der Biosphäre
unserer Erde gefährden.
Tierversuche stabilisieren die heutigen Zivilisationskrankheiten, weil uns
die Hoffnung auf tierexperimentell zu findende Medikamente die Motivation zur
Eigeninitiative und zu prinzipiellen Änderungen unserer Lebensweise verdirbt.
Solange wir uns an die Hoffnung auf neue Medikamente gegen Krebs,
Herz-Kreislauferkrankungen etc. klammern, sind wir selbst, aber auch unser
ganzes Gesundheitssystem nicht ausreichend motiviert, die Ursachen dieser
Erkrankungen, nämlich Rauchen, Alkohol, falsche Ernährung, Stress usw. zu
beseitigen.
Tierversuche zerstören das Bewusstsein für Ordnungen, Zusammenhänge und
Kreisläufe in der Natur. Wer kann wirklich abschätzen, welche Auswirkungen
gentechnologisch manipulierte Tiere für die Natur haben, wer kann beurteilen,
welche Folgen sich aus einer möglichen Freisetzung von patentierten Krebsmäusen
usw. ergeben? Die Natur hat im Laufe der Evolution in Millionen von Jahren
offensichtlich die Gesundheit und Anpassungsfähigkeit der Tiere bevorzugt; wir
produzieren erblich kranke Tiere, die für wissenschaftliche und wirtschaftliche
Zwecke optimiert sind.
Einer der schlimmsten Schäden, den Tierversuche anrichten, besteht in der
Verrohung der medizinischen Kultur. Abgesehen davon, dass der Tierversuch immer
mit Menschenversuchen in Verbindung stand und steht, drängt der
tierexperimentelle Ansatz die Medizin immer mehr vom ursprünglichen Heilwissen
zur Luxus-Ersatzteil-Medizin. Ich bin weit davon entfernt, Krankheiten positiv
darstellen zu wollen, aber solange wir die Krankheit nur mehr als technisch
behebbaren Defekt sehen, verlieren wir jede Möglichkeit, zu einem menschlichen
Ansatz der Leidensfrage, jede Möglichkeit, Krankheit als etwas Sinnhaftes
akzeptieren zu können, das durchlitten oder durchlebt werden muss. Wer den
Mythos von der Unschädlichkeit der Tierversuche weiterverbreitet, hat entweder
keine Ahnung von dem, was er sagt, oder er sagt die Unwahrheit.
8.
Mythos: Das Tier leidet nicht im Experiment.
Zu den bösartigsten
Behauptungen im Zusammenhang mit Tierversuchen gehören die Verharmlosungen, dass
das Tier gar nicht leiden würde oder dass die meisten Tierversuche für das Tier
nicht schmerzhafter als eine Injektion beim Menschen seien. Das Leiden der
Versuchstiere hat bereits lange vor dem Versuch begonnen, wenn die Tiere unter
völlig artfremden Bedingungen gehalten, gezüchtet und versandt werden. Wie
sollen zum Beispiel toxikologische Experimente, bei denen das Tier schließlich
auf mehr oder weniger schnelle Art vergiftet wird, ohne Qual und Schmerz
ablaufen?
Die gesamte tierexperimentelle Toxikologie ist ohne entsetzliches Leiden der
betroffenen Tiere überhaupt nicht denkbar. Nicht minder grausam sind
Tierversuche im Bereich der Grundlagenforschung. Wer nicht glaubt, dass der
Tierversuch äußerste Qualen für das Tier bedeutet, kann Beschreibungen von
einigen Tausend aktuellen, in Deutschland durchgeführten Tierversuchen in der
Internet-Datenbank ( www.datenbank-tierversuche.de) nachlesen. Die
Beschreibungen sind Zusammenfassungen von Originalarbeiten, die die
Experimentatoren selbst in Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Auch heute
noch stellt der Tierversuch entsetzliches Leiden dar, welches üblicherweise erst
mit dem Tod beendet wird. Auch der Pseudo-Tierschutz-Ansatz der
Experimentatoren, man könne durch vorsichtigeres Experimentieren den Tieren Leid
ersparen, wird daran nichts ändern.
9. Mythos: Nur Fachleute können
Notwendigkeit, Vertretbarkeit und Bedeutung von Tierversuchen
abschätzen.
Der Mythos, dass Laien mangels Fachkenntnissen über
Tierversuche gar nicht mitreden können, hat den Experimentatoren einen
jahrzehntelangen Freiraum verschafft. Doch den Fachleuten die Beurteilung der
Notwendigkeit und Bedeutung von Tierversuchen zu überlassen, wäre vergleichbar
mit einem Gutachten über vegetarische Ernährung durch Metzgerverbände oder mit
einem Gutachten über die Bedeutung der Kernenergie durch die Betreiber von
Kernkraftwerken. Man kann doch nicht erwarten, dass ausgerechnet diejenigen,
welche sich mit dem tierexperimentellen System am meisten identifizieren und von
ihm leben, den Tierversuch kritisch hinterfragen. Man braucht überhaupt kein
Fachmann zu sein, um diesen Mythos, dass nur Spezialisten die Bedeutung des
tierexperimentellen Systems beurteilen könnten, aufzulösen. Außerdem werden
Laien-Tierversuchsgegner heute zunehmend von Fachleuten unterstützt. So gibt es
nationale und internationale Ärzte-Vereinigungen, die den Tierversuch ablehnen.
nationale und internationale Ärzte-Vereinigungen, die den
Tierversuch ablehnen.
Dieser Mythos, der von Tierversuchs-Verfechtern
immer wieder vorgebracht wird, gehört zu den Grundpfeilern der Erhaltung des
tierexperimentellen Systems. Die Behauptung, Tierversuche könnten höchstens auf
das »unerlässliche Maß« reduziert, aber niemals abgeschafft werden, lähmt uns,
führt zu permanenten, sinnlosen Diskussionen über das Ausmaß und die Art der
ersetzbaren oder verzichtbaren Tierversuche.
Bei der Frage nach der
Abschaffung der Tierversuche sollten wir uns an der Überwindung anderer
historischer Irrtümer und Fehler orientieren. Genauso wir heute klar ist, dass
die systematische Verfolgung der Hexen, die gnadenlose Ausbeutung der Sklaven,
die inhumane Apartheit ein Verbrechen darstellen, das nicht durch Reduktion der
Zahl der Opfer oder allmähliche Schritte, sondern nur durch prinzipielle
Veränderungen - verbunden mit einem generellen Umdenken - beseitigt werden kann,
genauso muss der Tierversuch als schädlicher und nicht zu akzeptierender Weg in
seiner Gesamtheit abgelehnt werden. In diesem Zusammenhang ist es von höchster
Bedeutung, dass sich die Motivation der Gegner des tierexperimentellen Systems
geändert hat.
Während früher das Tier und seine entsetzliche Behandlung im Mittelpunkt
standen, tritt heute zunehmend das Bewusstsein in den Vordergrund, dass der
Mensch sich selbst am meisten mit der rücksichtslosen Ausbeutung des Tieres
schadet. Genauso wie die Bedingungen der Massentierhaltung primär eine
entsetzliche Tortur für die Tiere darstellen, in zweiter Linie aber zu einer
enormen Zunahme von ernährungsbedingten Erkrankungen führen, genauso wie die
Möglichkeiten der Gentechnologie etwa in der Landwirtschaft primär von einer
unglaublichen Kaltblütigkeit gegenüber den manipulierten Tieren zeugen, in
zweiter Linie aber eine kaum mehr abschätzbare Bedrohung des ökologischen
Gleichgewichts und damit der Existenz des Menschen bedeuten, genauso wie jedes
Atomkraftwerk primär ein hohes Risiko für die Umwelt darstellt, in zweiter Linie
aber vielleicht in Form eines Supergaus den Startschuss für den Weltuntergang
abgibt, wird heute zunehmend verstanden, dass der Tierversuch zwar für die Opfer
enormes Leiden bedeutet, aber auf einer anderen Ebene mit all seinen
zwangsläufigen Folgen dazu beiträgt, dass sich der Mensch zunehmend selbst
zugrunde richtet.
- Ist die Abschaffung der Tierversuche möglich?
- Ich glaube es nicht nur, ich weiß es!
Entweder es gelingt dem Menschen, sich ein neues Bewusstsein für die
vielfältigen Verflechtungen und Vernetzungen innerhalb der Natur anzueignen und
wegen der enormen Schäden und Gefahren freiwillig auf Pandorabüchsen wie
Tierversuch, Gentechnologie, Kernenergie zu verzichten, oder die Natur schafft
den Menschen samt seinen Tierversuchen definitiv und irreversibel ab!
Noch hat der Mensch die Wahl, der hemmungslosen Ausbeutung unseres
Planeten mit all seinen Lebewesen Einhalt zu gebieten und den Tierversuch in
seinem eigensten Interesse abzuschaffen!