http://www.tierversuchsstadt-wuerzburg.de

Vielfach profitiert allein der Tierexperimentator davon,

denn aufgrund seiner Veröffentlichungen erhält er immer wieder neue Forschungsgelder. Wer hat noch den Überblick über die Flut von tausenden veröffentlichten Forschungsarbeiten? Die Wissenschaft wird leider vielfach zum Selbstzweck.

”Es ist jedoch nicht so sehr der Sadismus, der den Wissenschaftlern in die Quere kommt, als vielmehr der eigene fachliche Ehrgeiz. Die universitäre Forschung ist ein Spitzensport: Jedes Institut, das bereit ist, sich dem internationalen Bereich zu stellen, möchte unter den ersten Zehn mitlaufen. Dieser Ehrgeiz zwingt zu immer gewagteren Experimenten auf unbekannten Gebieten. Die Wissenschaft nennt das Grundlagenforschung...” (Schweizerischer Beobachter 4/93). Zahlreiche Versuchstiere leben und sterben nur zur Erlangung akademischer Titel (laut einer Studie aus einer Schrift der Tierversuchsgegner Nordrhein-Westfalen wurden 2/3 aller an Hochschulen durchgeführten Experimente zur Erlangung von Habilitationen und Dissertationen gemacht), zur Vorführung längst bekannter Sachverhalte, zur Vermarktung von Industrieprodukten, zur Bestätigung und Widerlegung von Fachkollegen oder sogar zur Erprobung von Waffen. - Persönliche und geschäftliche Interessen - zum Wohle des Menschen?

”Tierversuche mindern die Achtung vor dem Leben und behindern die Einfühlung in das Leiden der Patienten. Grausamkeit gegen Tiere kann Bedenkenlosigkeit gegen Menschen zur Folge haben. Achtung vor dem Leben muß das erste Gebot ärztlichen und wissenschaftlichen Handelns sein” (Aus der Grundsatzerklärung der ”Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V.”). Tiere werden als ”Meßinstrumente”, ”Versuchsobjekte” oder ”Modelle” bezeichnet. Dr. G. Meister, Leiter der Zentralstelle für Versuchstierfragen des Forschungszentrums des Bayer-Konzerns, hält Beagle-Hunde als ”ruhige Standardtypen” für ”gutes Material” und sagt gleichzeitig von sich, er habe seine Tierliebe zum Beruf gemacht.

Diese Selbsteinschätzung grenzt an Schizophrenie! Selbst wenn alle Tierversuche so nützlich und notwendig wären, wie von ihren Befürwortern behauptet wird, müssen doch zumindest Zweifel an deren Zulässigkeit bleiben; es sei denn, wir akzeptieren den verhängnisvollen Grundsatz: ”Der Zweck heiligt die Mittel”. Gerade in Medizin, Forschung, Wissenschaft und Bildung darf selbst ein guter Zweck - der sicher nicht immer geleugnet werden kann - nicht jedes Mittel heiligen. Der Nutzen einer Methode sagt nicht unbedingt etwas über ihre Berechtigung aus. Mit der Gewöhnung an Tierversuche wird man zum unpersönlichen, teilnahmslosen Beobachter des Leidens, dem nur der Nutzen, das Meßbare wichtig ist.

Menschlichkeit ist aber nicht meßbar!

Alternativmethoden bzw. Maßnahmen zur Einschränkung von Tierversuchen

Grundsätzlich gibt es die international als ”RRR” bezeichneten Strategien:

Replacement Ersatz von Tierversuchen, Reduction-Verringerung von Tierversuchen, Refinement-Erleichterung für das Tier im Tierversuch.

Die wichtigsten Methoden im Sinne des Tierschutzes stellen sicher die als ”replacement” bezeichneten Ersatzmethoden zum Tierversuch dar. Hier treten an die Stelle des Tierversuchs Experimente an nicht schmerzfähiger Materie wie z.B. isolierten Organen oder kultivierten Zellen (in-vitro-Methode). Die Entwicklung von Ersatzmethoden muß im Vordergrund der Bemühungen in der Methodenforschung stehen! Der Ersatz von Tierversuchen ist an die sorgfältige wissenschaftliche Bewertung der Alternative gebunden. Die Versuchsergebnisse müssen reproduzierbar und für den Menschen relevant sein.

Parallel zu dieser Entwicklung müssen Tierversuche innerhalb kürzester Zeit auf ein Mindestmaß reduziert und die weiterhin durchgeführten Experimente über die gesamte Dauer hinweg von neutralen Sachverständigen überwacht werden. Die Einrichtung einer bundesweiten, öffentlich zugänglichen Datenbank über bisherige Tierversuche zur Vermeidung von Mehrfach- und Wiederholungsexperimenten sowie eine Bestandsaufnahme, eine strenge Überprüfung sämtlicher zur Zeit laufenden Tierversuche auf ihre Notwendigkeit und Vertretbarkeit hin, können zwei wichtige Schritte auf diesem Weg sein. Weder das Tierschutzgesetz noch seine Ausführung sind zur Zeit in irgendeiner Weise überzeugend.

Der Aufwand, die außer Kontrolle geratene Situation wieder in den Griff zu bekommen, wird immer größer, die Lobby der Industrie und Forschung ist mächtig und die Motivation, etwas zu ändern, sich gegen die Übertretung ethischer Grenzen aus Profitgier oder Selbstdarstellungsdrang in unserer Umgebung zu stellen, ist in unserer Gesellschaft gering.



http://www.uni-tuebingen.de/psi/alteversion/pinuts/n0/tiervers.htm
Monika Lohmann


Letzte Aktualisierung am 04.06.2009