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Der Handel mit sog. "Versuchstieren"

Wildfänge, qualvolle Transporte, grausame Zuchtmethoden
– das Leiden beginnt schon lange vor dem Versuchslabor.

Einige wenige internationale Konzerne bestimmen seit einigen Jahren den grausamen Markt mit sogenannten Versuchstieren, ein Markt der mit den ständig wachsenden Versuchstierzahlen floriert. Alleine im letzten Jahr wurden laut offiziellen Zahlen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz mehr als 2.270.000 Tiere in deutschen Laboren in Versuchen zu Tode gequält (2007 stieg die Zahl auf über 2,5 Mill.). Der Großteil sind hier Mäuse, Ratten, Kaninchen Meerschweinchen und 2115 Affen, 648 Katzen, 4430 Hunde. Nicht erfasst werden hier z.B. Tiere, die in der Aus- und Weiterbildung von StudentInnen, DoktorantInnen und WissenschaftlerInnen eingesetzt, die zur Organentnahme getötet oder zur Zucht einer „Stammlinie“ gehalten werden. Auch nicht erfasst werden all jene Tiere, die die Labore erst gar nicht erreichen, da sie wenige Tage nach der Geburt an den Folgen der Boxenhaltung, an dem Stress und der Enge in den kleinen Käfigen oder bei den Transporten sterben. Zahlen darüber wie viele getötet werden müssen, weil sie nicht die gewünschten Merkmale zeigen oder mit Missbildungen zur Welt gekommen sind, können nur geschätzt werden.

Für die Versuchstierhändler und –züchter zählt das einzelne Tier nicht – das tierliche Individum wird zum Tiermodell, zum Modell für den Menschen, bei dem es nur darum geht es so praktisch wie möglich für den Menschen zu formen. Egal ob Maus, Ratte, Kaninchen, Meerschweinchen, Katze, Hund oder Affe, jedes einzelne von ihnen empfindet Schmerzen, kennt Gefühle wie Trauer und Freude und will nur eins: leben! Alle diese Tiere werden in den Katalogen der Züchter zu einer Ware, die man nach Alter und Gewicht bestellen kann. Alles ist hier möglich: Inzucht, trächtige Tiere, Jungtiere, Tiere mit Wurf...

Über die letzten Jahre fing man an sich die Tiere immer mehr „zurechtzuzüchten“, bei den neuen Labortieren ist bereits genetisch vorbestimmt, dass sie an der gewünschten Krankheit erkranken oder die gewünschten Symptome zeigen. Alles was überflüssig ist wurde weggezüchtet, bei der „Nacktmaus“ z.B. braucht man kein Fell mehr wegrasieren, bevor die zu testenden Stoffe aufgetragen werden. Da Schweine zu „unhandlich“ und zu teuer in den Futterkosten waren, musste eine neue Zuchtlinie her, das sog. Minipig.

Neuer Trend: transgene Tiermodelle

Der Perversion sind keine Grenzen gesetzt und so übertreffen sich die führenden Konzerne gegenseitig im Entwickeln von gentechnisch verändertern Versuchstieren, sog. transgenen Tiermodellen. Hier werden mit gentechnischen Methoden zusätzliche Gene in das Erbgut der Versuchstiere eingebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Gentransfer funktioniert ist sehr niedrig und liegt bei der Maus mit 10 % bis 15 % noch am höchsten, so, dass es offensichtlich ist, dass viele Tiere, bei denen der Transfer nicht geklappt hat, getötet werden. Bei einer weiteren Methode werden gezielte körpereigene Gene ausgeschaltet. Letzteres Verfahren führt zu den sogenannten Knockouts und ist bislang nur bei Mäusen anwendbar. Knockout-Mäuse werden häufig auch „produziert“, um Kenntnisse über die Funktionsweise einzelner Gene zu bekommen. Oft sterben diese Tiere bereits vor der Geburt oder kurz danach, weil lebenswichtige Gene blockiert wurden. Nach Schätzungen wurden inzwischen über 10.000 transgene Tiermodelle entwickelt. Bei den meisten handelt es sich um Mäuse.

Beispiele für sog. transgene Tiermodelle:

Krebsmaus
Der Krebsmaus wurde ein sog. Onkogen ins Erbgut eingeschleust. Dieses Gen führt dazu, dass die Tiere mit großer Wahrscheinlichkeit im Alter von mehreren Wochen oder Monaten an Krebs erkranken. Wissenschaftlich gesehen war die Krebsmaus ein Flop, sie wurde nicht in der Krebsforschung eingesetzt. Krebs ist ein multifaktorielles Geschehen, bei dem nicht nur die Erbanlagen, sondern u.a. auch die Lebensweise, Ernährung, psychische Situtation eine Rolle spielen.

Lesch-Nyhan-Maus
Das Lesch-Nyhan-Syndrom des Menschen ist eine erhebliche Stoffwechselerkrankung, bei der ein Defekt in einem einzigen Gen vorliegt. Menschen, die daran leiden zeigen verhaltens- und neurologische Störungen. Knockout-Mäuse, bei denen das entsprechende Gen blockiert wurde, zeigen keine solchen Symptome.

Cystische Fibrose-Maus
Die Cystische Fibrose (CF=Mukoviszidose) des Menschen beruht auf einem Gendefekt eines einzigen Gens. Inzwischen sind allerdings mehrere Hundert verschiedene Mutationen des CF-Gens bekannt. Bei der CF-Maus wurde das betreffende Gen gezielt „ausgeschaltet“ (Knockout-Maus). Allerdings entwickeln diese Tiere nicht die gleichen Symptome wie Menschen

Connexin-Knockout-Mäuse
Bei einem Gentechnik-Experiment zur Untersuchung eines bestimmten Eiweißes (Connexin) blockierten die Forscher das Gen für diese Eiweiß bei Mäuse-Embryonen. Da Connexin eine wichtige Rolle spielt, wurde erwartet, dass die Mäuse-Embryonen noch im Mutterleib absterben. Entgegen diesen Erwartungen überlebten sie aber die Geburt. Sie konnten allerdings nur mit Mühe atmen und erstickten kurze Zeit später.


 

 

 



Letzte Aktualisierung am 04.06.2009