Clichy, 7.5. 2007 – Ob ein Inhaltsstoff Hautreizungen auslöst kann in Zukunft
an künstlicher Haut getestet werden. Der Beratende Wissenschaftliche Ausschuss
des Europäischen Zentrums zur Anerkennung alternativer Methoden (ECVAM) hat eine
entsprechende in vitro-Testmethode zur Bestimmung des Hautreizungspotenzials von
Inhaltsstoffen anerkannt. Grundlage dieses Labortests ist das Episkin-Modell von
L’Oréal, ein Modell der menschlichen Epidermis (oberste Hautschicht) auf Basis
von Kollagen (Hauptbestandteil der Haut). Ob ein Inhaltstoff Hautirritationen
auslöst musste bisher laut Gesetz von den Herstellern an Tieren getestet werden.
Mit der Anerkennung des Episkin-basierten Tests kann bei der Bestimmung des
Hautreizungspotenzials vollständig auf Tierversuche verzichtet werden.
Die Anerkennung der Testmethode durch eine neutrale, wissenschaftliche
Instanz sieht Jean-François Grollier, Vizepräsident und Generaldirektor der
Abteilung für Forschung und Entwicklung bei L’Oréal, als Durchbruch: „Über
zwanzig Jahre Forschung im Bereich der Hautnachbildung tragen heute ihre
Früchte. Dies ist ein großer Fortschritt für den Ersatz von Tierversuchen.“
Zu Beginn der 80er Jahre begann L’Oréal mit der Rekonstruktion menschlicher
Haut. Ziel war es, die biologischen Mechanismen genauer zu studieren und eines
Tages bei der Überprüfung der Verträglichkeit von Inhaltsstoffen und
Fertigprodukten auf Tierversuche verzichten zu können. Aufgrund dieser Studien
stellte L’Oréal 1989 die Tierversuche für sämtliche Fertigprodukte ein. „Schon
seit 1989 verwenden wir Episkin zur Untersuchung der Hauttoleranz unserer
Produkte. Unser Engagement im Rahmen der Entwicklung von alternativen Methoden
geht trotzdem weiter“, fügt Grollier hinzu.
Gerade im Zusammenhang mit der neuen EU-Chemikalienverordnung REACH
(Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals) ist die Anerkennung von
Episkin von besonders großer Bedeutung. REACH sieht die Bewertung der
Hautreizung von circa 10.000 Substanzen vor.
Der Episkin-Test ist laut ECVAM
„eine sichere und präzise Methode, um das Hautreizungs- potenzial zu bestimmen -
folglich ein vollständiger Ersatz für Tests an Labortieren“.
Was ist EVCAM? Das Europäische Zentrum für die Validierung alternativer
Methoden (ECVAM) wurde 1992 gegründet. Es ist Teil des Instituts für Gesundheit
und Verbraucherschutz in Ispra, Italien. ECVAM koordiniert die Validierung
alternativer Methoden auf europäischer Ebene und fördert den Austausch zwischen
Gesetzgebern, der Industrie, Wissenschaftlern, Verbraucherorganisationen und
Tierschützern mit dem Ziel, alternative Testmethoden zu entwickeln, zu
validieren und zu internationaler Anerkennung zu bringen.
Was ist ein validierter in-vitro-Test? Eine alternative Methode zu
Tierversuchen muss idealerweise das Labortier ersetzen. Dann spricht man von
einem vollständigen Ersatz. Dies ist bei Episkin der Fall. Zu diesem Ergebnis
kam ein Validierungsverfahren unter der Leitung des ECVAM, das 1999 begonnen hat
und in Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Institutionen vorgenommen
wurde: BfR- ZEBET, Sanofi Aventis, Unilever, Syngenta und L’Oréal. Sechzig
Inhaltsstoffe wurden von den Partnerunternehmen einzeln auf ihre möglicherweise
reizenden Eigenschaften getestet und die Ergebnisse dem wissenschaftlichen
Ausschuss des ECVAM (ESAC) unterbreitet. Dieser hat Episkin jetzt als
Alternative anerkannt. „L’Oréal bedankt sich bei ECVAM und den
Partnerunternehmen für die Mitarbeit und den Erfolg, von dem alle profitieren
werden“, erklärt Jean-François Grollier.
Wer kann Episkin nutzen? Das Episkin-Modell steht der gesamten Wissenschaft
und der Industrie zur Verfügung. Das Modell wird in einer
ISO-9901-zertifizierten Produktionsstätte in Lyon hergestellt, die
ausschließlich im Bereich Gewebetechnik tätig ist. Der Vertrieb erfolgt durch
SkinEthic, einer Tochterfirma von L’Oréal, die weltweit für die Entwicklung von
rekonstruierter Epidermis und Schleimhaut bekannt ist.